Closed-End Funds (CEFs) sind eine besondere Fondsstruktur, die vor allem bei einkommensorientierten Anlegern beliebt ist. Im Kern bündeln CEFs Kapital, investieren es nach einer definierten Strategie und schütten die Erträge regelmässig aus. Der entscheidende Unterschied zu vielen bekannten Fonds liegt in der Handelsmechanik: CEF-Anteile werden wie Aktien an der Börse gehandelt, und die Anzahl der Anteile ist nach dem Start in der Regel weitgehend fix.

Die Grundlagen von CEFs

Ein Closed-End Fund sammelt in einer Emission (oft über einen Börsengang) Geld ein und investiert dieses Kapital anschliessend in ein Portfolio. Anders als bei offenen Fonds (Open-End Funds) werden Anteile nicht laufend zum Nettoinventarwert (NAV) ausgegeben oder zurückgenommen. Stattdessen entsteht der Preis durch Angebot und Nachfrage an der Börse.

Diese Struktur hat zwei wichtige Folgen:

  • Handel wie eine Aktie: Du kannst CEFs während der Börsenzeiten kaufen und verkaufen, oft auch mit Limit-Orders.
  • Preis kann vom NAV abweichen: CEFs handeln häufig mit Discount (unter NAV) oder Premium (über NAV).

Der Net Asset Value (NAV) ist der rechnerische Wert des Fondsvermögens abzüglich Verbindlichkeiten, geteilt durch die Anzahl der Anteile. Bei CEFs ist der Börsenkurs jedoch unabhängig davon.

  • Discount: Kurs < NAV. Du “kaufst” das Portfolio rechnerisch günstiger.
  • Premium: Kurs > NAV. Du zahlst mehr als der rechnerische Wert der Vermögenswerte.

Ob ein Discount attraktiv ist, hängt davon ab, warum er existiert. Ein hoher Discount kann eine Chance sein, kann aber auch auf strukturelle Probleme hinweisen (z. B. schwaches Management, zu hohe Gebühren, schlechte Performance oder ungünstige Ausschüttungspolitik).

Warum zahlen viele CEFs hohe Ausschüttungen?

CEFs werden oft als Einkommensinstrumente genutzt, weil viele von ihnen eine feste Ausschüttungspolitik verfolgen, zum Beispiel:

  • monatliche oder quartalsweise Ausschüttungen
  • eine Ziel-Ausschüttungsrate (Distribution Rate)

Wichtig ist: Eine hohe Ausschüttung bedeutet nicht automatisch “hohe Rendite aus Erträgen”. Ausschüttungen können aus verschiedenen Quellen stammen:

  • Zinsen (z. B. aus Anleihenportfolios)
  • Dividenden (z. B. aus Aktienportfolios)
  • realisierte Kursgewinne
  • Return of Capital (ROC), also Rückzahlung von Kapital (nicht zwingend schlecht, aber erklärungsbedürftig)

Typische Strategien und CEF-Kategorien

CEFs sind sehr vielfältig. Häufige Ausprägungen:

  • Bond-CEFs: investieren in Unternehmensanleihen, High Yield, Kommunalanleihen (US), Emerging Markets.
  • Equity-CEFs: investieren in Aktien, oft mit Fokus auf Dividenden, Value oder Regionen.
  • Covered-Call-CEFs: schreiben Optionen auf Aktienpositionen, um Prämien als laufenden Cashflow zu vereinnahmen. Das kann Ausschüttungen stabilisieren, begrenzt aber oft das Aufwärtspotenzial in starken Bullenmärkten.
  • Multi-Asset / Income-CEFs: kombinieren mehrere Ertragsquellen.

Leverage – der Turbo (und das Risiko)

Viele CEFs nutzen Leverage (Fremdkapital), um die Erträge zu steigern. Das kann funktionieren, wenn:

  • die Finanzierungskosten niedrig sind
  • das Portfolio eine höhere Rendite erzielt als die Leverage-Kosten

Aber Leverage erhöht die Schwankungen und kann in Stressphasen (z. B. schnell steigenden Zinsen oder Marktpaniken) deutlich schaden. Deshalb gehört Leverage zu den wichtigsten Prüfsteinen bei CEFs.

Die wichtigsten Kennzahlen verstehen

Bei der Analyse von CEFs sind diese Punkte besonders relevant:

  • NAV-Entwicklung: Steigt oder fällt der NAV langfristig? Eine dauerhaft sinkende NAV-Kurve kann auf zu hohe Ausschüttungen oder strukturelle Nachteile hindeuten.
  • Discount/Premium (aktuell und historisch): Handelt der Fonds gerade “teuer” oder “günstig” im Vergleich zur eigenen Historie?
  • Distribution Rate: Wie hoch ist die Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs und zum NAV?
  • Earnings Coverage / UNII (bei Bond-CEFs häufig): Deckt der laufende Ertrag die Ausschüttung?
  • Gebühren (Management Fee, Total Expense Ratio): CEFs sind oft teurer als ETFs.
  • Leverage-Quote und Finanzierungskosten: Sensitivität gegenüber Zinsen.

Chancen und Risiken abwägen

Chancen

  • Regelmässige Ausschüttungen, oft auch monatlich
  • Zugang zu Nischenmärkten und Strategien, die als ETF schwer zugänglich sind
  • Potenzial durch Discount-Mean-Reversion (Discount kann sich schließen)

Risiken

  • Hohe Gebühren können Rendite langfristig stark drücken
  • Leverage verstärkt Verluste
  • Ausschüttungen können aus ROC bestehen oder bei Stress gekürzt werden
  • Discounts können lange bestehen bleiben oder sich ausweiten

Fazit

CEFs können ein spannender Baustein für ein einkommensorientiertes Portfolio sein, gerade wenn du regelmässige Ausschüttungen suchst oder Strategien wie Covered Calls gezielt einsetzen möchtest. Gleichzeitig sind CEFs kein “Set-and-forget”-Produkt: Discounts, Gebühren, Leverage und die Qualität der Ausschüttungspolitik entscheiden darüber, ob aus hoher Ausschüttung auch langfristig eine gute Gesamtrendite wird.